Ups, träum ich oder bin ich etwa ein Leuchtturm?

Hochwasser 1965, Garten von Familie Möring, Holsener Straße

Heute morgen werd ich wach und was soll ich sagen? Ich denk ich steh am Meer. Überall Wasser. Was ist das denn? HOCHWASSER! Ja, es ist nicht das erste Mal, Hochwasser gibt es hier in Holsen-Schwelle-Winkhausen öfter. Alle paar Jahre treten die beschaulichen Flüsse Heder, Lippe und sogar die Flüte über die Ufer und überschwemmen die Landschaft. Das hat unterschiedliche Ursachen, starker Regen oder die Schneeschmelze im Frühjahr treibt das Wasser aus den höher gelegenen Ortschaften in die Alme, dann in die Heder.

Heder-Lippe Mündung in Schwelle

In Schwelle fließt dann die Heder in die Lippe. Wenn es zuviel Wasser ist, staut sich das Wasser der Heder zurück, drückt in die umliegenden Gräben und die Flüte. Überall steigt der Wasserspiegel an. Das Wasser kommt von allen Seiten.

Fast immer geht das gut aus und nach ein paar Tagen ist das Wasser wieder weg. So ein Hochwasser ist immer etwas Aufregendes. Die Bewohner sind in hektischer Strebsamkeit. Wo sind die Gummistiefel? Wo die Sandsäcke für die Stall- und Haustüren? Schnell noch die fahrbaren Untersätze an die höher gelegenen Punkte im Dorf bringen damit man auch weiterhin mobil bleibt.

Blick aus dem Fenster Richtung Hauptstraße, Familie Möring, Holsener Str. , der Zaun steht auch im Jahr 2023 noch.
Blick aus Richtung Hof Gutland, in Blickrichtung Hauptstraße. Halle Flottmeier, jetzt Behrens Bau. Im Vordergrund Hof Beine, jetzt Sedlmayer, das Hofkreuz ist eines der ältesten in Holsen und steht auch im Jahr 2023 noch.

1965 allerdings, da ging es nicht so glimpflich aus. Das Wasser stieg und stieg. Vieles musste in Sicherheit gebracht werden. Das Eingemachte, die Leckereien vom letzten Schlachten, sprich einfach die Vorräte für die nächsten Monate. Auf die Dorfgemeinschaft, die Nachbarschaft ist Verlass. Alle packen mit an. Mit Zinkbadewannen und sonstigen Behältnissen, die schwimmen konnten und in denen man etwas transportieren konnte wurden die Vorräte auf die Nachbarschaft verteilt. Im Ortskern ist es sogar so schlimm, dass Familie Möring mit einem Hubschrauber aus ihrem Haus evakuiert werden muss.

Standort Einmündung Holser Feld, Blick Richtung Haus Möring, Holsener Str.

Gott sei Dank gehen aber die meistern Hochwasser gut aus und man kommt mit dem Schrecken davon. Besonders für die Kinder ist es ein Schauspiel. Die Wiesen sind komplett überflutet und man fühlt sich ein bisschen wie am Meer. Höre ich da etwas das Geschrei der Möwen? Und da, ganz weit entfernt, ist das etwa ein Dampfschiff? Träumen ist erlaubt.

Hochwasser 2010

Auch heute noch ist so ein Hochwasser für den ein oder anderen Zeitgenossen ein besonderes Erlebnis. Etwa der Priester, der zum Sonntagshochamt verzweifelt versucht die Holsener Kirche zu erreichen oder die Kinder, die mit dem Trecker zur nächsten Bushaltestelle gebracht werden müssen weil die Gummistiefel nicht hoch genug sind.

Ja, und ich, der alte Trafoturm träume weiter von meinem Dasein als Leuchtturm mit schicken roten und weißen Streifen.